EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat in einer Rede am Freitag in Madrid dafür geworben, dass Europa seine tokenisierte Abwicklungsinfrastruktur an Zentralbankgeld verankern sollte, anstatt privat emittierte, auf den Euro lautende Stablecoins zu fördern. Sie warnte zugleich, dass das bestehende Stablecoin-Modell — dominiert von US-Emittenten — Finanzstabilitätsrisiken berge, die Europa nicht importieren solle.
Der Markt, gegen den sie argumentiert, hat heute ein Volumen von rund 310 Mrd. $ im Umlauf — ein Anstieg von 10 Mrd. $ vor sechs Jahren —, wovon etwa 90 % auf zwei Emittenten entfallen: Tether und Circle. Lagarde rahmte diese Konzentration als Kernproblem und wies darauf hin, dass das Parität-Einlöseversprechen eines Stablecoins genau auf jenem Marktvertrauen beruht, das unter Stressbedingungen zuerst verschwindet.
Warum das wichtig ist
Lagardes Vorstoß trifft eine laufende europäische Debatte direkt. Qivalis, ein Konsortium aus zwölf der größten Banken Europas — darunter ING, BBVA, BNP Paribas, Danske Bank und UniCredit — hatte in diesem Jahr Pläne angekündigt, einen privat emittierten Digitalen Euro noch 2025 aufzulegen, ausdrücklich als Verteidigung gegen die digitale Dollarisierung. Qivalis-CEO Jan-Oliver Sell sagte gegenüber CoinDesk, dass es ohne einen tiefen, onchain gehandelten Euro „nur die US-Dollar-Alternative" gebe.
Die EZB-Präsidentin fordert die EU-Gesetzgeber de facto auf, die Zentralbank-Variante gegenüber der Bankenkonsortium-Variante zu stützen. Sie verwies auf die USDC-Kursentkopplung im März 2023 — als Circle offenlegte, dass 3,3 Mrd. $ seiner Reserven bei der Silicon Valley Bank lagen — als Muster für jene Rückkopplungsschleife, die sie vermeiden will: eine Massenrückgabe, die den Marktdruck verschärft, der den Peg bricht.
Marktauswirkungen
Die EZB peilt einen Rollout des Digitalen Euro bis 2029 an, unter der Bedingung, dass die EU-Gesetzgeber die notwendige Regulierung bis 2026 verabschieden. Pilotprojekte und erste Transaktionen könnten möglicherweise Mitte 2027 starten. Bis dahin geht es in der politischen Auseinandersetzung darum, welche Schienen Europa zuerst baut — und wer sie kontrolliert. Für Banken im Euroraum lautet die Botschaft: Tokenisierung kommt, aber die EZB will die Abwicklungsschicht öffentlich statt privat, selbst wenn das die Emission von Euro-Stablecoins im Vergleich zum Dollar verlangsamt.
Häufig gestellte Fragen
-
Was hat Christine Lagarde über Stablecoins gesagt?
Auf dem LatAm Economic Forum der Bank von Spanien in Madrid argumentierte Lagarde, Europa solle tokenisierte Abwicklung auf Zentralbankgeld aufbauen, statt privat emittierte, auf den Euro lautende Stablecoins zu fördern, und bezeichnete die Argumente dafür als „weit schwächer, als sie erscheinen".
-
Wie groß ist der Stablecoin-Markt und wer dominiert ihn?
Der Stablecoin-Umlauf ist innerhalb von sechs Jahren von rund 10 Mrd. $ auf etwa 310 Mrd. $ gewachsen, wobei laut Lagardes Ausführungen rund 90 % des Marktes auf zwei Emittenten entfallen — Tether und Circle.
-
Was ist Qivalis und wie unterscheidet sich das Projekt vom Digitalen Euro der EZB?
Qivalis ist ein Konsortium aus zwölf großen europäischen Banken, darunter ING, BBVA, BNP Paribas, Danske Bank und UniCredit, das noch 2025 einen privat emittierten Digitalen Euro gegen digitale Dollarisierung auflegen will. Der Digitale Euro der EZB wäre hingegen eine von der Zentralbank emittierte CBDC mit Zielmarke…
-
Welches Stablecoin-Risiko veranschaulichte Lagarde am Beispiel der USDC-Kursentkopplung?
Sie verwies auf den Zusammenbruch der Silicon Valley Bank im März 2023, als Circle offenlegte, dass 3,3 Mrd. $ der USDC-Reserven bei dieser Bank lagen und der Token seinen Peg kurzzeitig verlor, als Beispiel dafür, wie Massenrückgaben den Marktdruck verschärfen können, der den Peg bricht.
-
Wann könnte der Digitale Euro der EZB starten?
Die EZB peilt einen möglichen Rollout des Digitalen Euro bis 2029 an, sofern die EU-Gesetzgeber die notwendige Regulierung bis 2026 verabschieden. Pilotprojekte und erste Transaktionen könnten bereits Mitte 2027 beginnen.