28 Geschäftsbanken, darunter JPMorgan, Citi, UBS, Deutsche Bank und Standard Chartered, haben unter dem Bank for International Settlements' Project Agorá reale grenzüberschreitende Zahlungen mit tokenisierten Zentralbankreserven und Einlagen von Geschäftsbanken abgeschlossen. Der Pilot wickelte rund 1 Mio. $, also etwa CHF 800,000, in 30 Transaktionen in sechs Währungen ab. Die Zahlungen wurden im Durchschnitt in etwa 80 Sekunden auf einem gemeinsamen Ledger finalisiert.
Die fünf Zentralbanken, die das Projekt stützen, sitzen gemeinsam mit den Geschäftsbanken in einer Struktur, die testen soll, ob derselbe Tokenisierungs-Stack den Wholesale-Zahlungsverkehr modernisieren kann, ohne das Korrespondenzbankensystem zu verdrängen, über das heute der Großteil der grenzüberschreitenden Transfers läuft.
Warum es wichtig ist
Der Pilot ist bisher das klarste Signal, dass Wholesale-Tokenisierung von Sandbox-Experimenten in die Kerninfrastruktur des globalen Finanzsystems übergeht. Indem tokenisierte Reserven und Einlagen von Geschäftsbanken auf einem einzigen gemeinsamen Ledger geführt werden, verkürzt das Projekt die mehrstufige Korrespondenzbank-Abfolge zu einer atomaren Abwicklung und beseitigt das Abwicklungsrisiko, das grenzüberschreitende Transfers historisch langsam und teuer gemacht hat.
Der gleichzeitige Devisenschritt ist der unterschätzte Teil. Die Banken tauschten zwei Währungen gleichzeitig statt eine Seite gegen die andere zu sequenzieren. Das beseitigt das Delivery-versus-Payment-Risiko, das lange die strukturelle Schwachstelle der FX-Abwicklung im großen Maßstab war.
Marktauswirkung
Der Pilot kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Stablecoins und tokenisierte Geldmarktfonds bereits reale Cash-Management- und grenzüberschreitende Zahlungsströme aufnehmen. Project Agorá ist das von Zentralbanken gestützte Gegenstück zu dieser Dynamik aus dem Privatsektor, und die Fähigkeit, in 80 Sekunden ohne direkte Integration in alte Zahlungsrails abzuwickeln, wird zum Maßstab, an dem sich der Rest der Wholesale-Bankenbranche messen lässt. Als Nächstes wird beobachtet, ob eine der fünf beteiligten Zentralbanken den Prototypen nach der Testphase in einen produktionsreifen Einsatz überführt.
Häufig gestellte Fragen
-
Was ist BIS Project Agorá?
Project Agorá ist ein Pilot des Bank for International Settlements, an dem fünf Zentralbanken und 28 Geschäftsbanken, darunter JPMorgan, Citi und UBS, teilnahmen. Getestet wurden grenzüberschreitende Zahlungen mit tokenisierten Zentralbankreserven und Einlagen von Geschäftsbanken auf einem gemeinsamen Ledger.
-
Wie viel Geld hat Project Agorá tatsächlich bewegt?
Der Pilot verarbeitete rund 1 Mio. $, also etwa CHF 800,000, in 30 Transaktionen in sechs Währungen: US-Dollar, Euro, Britisches Pfund, Japanischer Yen, Schweizer Franken und Südkoreanischer Won.
-
Wie schnell wurden die tokenisierten Zahlungen des BIS abgewickelt?
Die Zahlungen wurden im Durchschnitt in rund 80 Sekunden auf einem gemeinsamen Ledger abgewickelt, obwohl der Prototyp nicht direkt in die bestehende Zahlungsinfrastruktur der Banken integriert war.
-
Worin unterscheidet sich Project Agorá von Stablecoins?
Anders als Stablecoins, die von privaten Firmen wie Circle und Tether ausgegeben werden, tokenisiert Project Agorá zwei Formen von traditionellem Bankgeld: Zentralbankreserven, mit denen Geschäftsbanken untereinander abrechnen, und Kundeneinlagen bei Geschäftsbanken.
-
Warum ist der gleichzeitige FX-Schritt wichtig?
Der Pilot ermöglichte es den Banken, zwei Währungen gleichzeitig zu tauschen, statt erst auf die Abwicklung einer Seite zu warten und dann die andere zu schließen. Dadurch entfällt das Delivery-versus-Payment-Risiko, das lange die strukturelle Schwachstelle der FX-Abwicklung im großen Maßstab war.