Die Europäische Zentralbank hat 36 Banken und Zahlungsunternehmen ausgewählt, darunter Deutsche Bank, Revolut, Adyen, SumUp, UniCredit und Worldline, die an einem 12-monatigen Digital-Euro-Pilot teilnehmen sollen, der in der zweiten Jahreshälfte 2027 starten soll. Die Kohorte wurde aus 50 Bewerbern zusammengestellt und ist der bislang konkreteste operative Schritt bei einer digitalen Zentralbankwährung, die die EZB seit Jahren vorbereitet.
Der Pilot wird eine Betaversion des digitalen Euro über die EZB und 19 nationale Zentralbanken des Euroraums testen. Abgedeckt werden Peer-to-Peer-Online-Überweisungen, Offline-Zahlungen, Transaktionen im Geschäft und E-Commerce-Käufe. Mitarbeitende der EZB und der nationalen Zentralbanken werden als Verbraucher auftreten, ausgewählte Restaurants, Cafeterias und Online-Händler als Gegenparteien. Die Währung wird noch keinen Status als gesetzliches Zahlungsmittel haben, soll aber das Design aus dem Entwurf der EU-Gesetzgebung abbilden.
Warum das wichtig ist
Die EZB macht weiter, obwohl die für eine tatsächliche Ausgabe nötige Gesetzgebung noch nicht abgeschlossen ist. Ein Ausschuss des Europäischen Parlaments hat den vorgeschlagenen Rechtsrahmen im vergangenen Monat vorangebracht, die endgültige Entscheidung liegt jedoch bei den EU-Gesetzgebern und zusätzlich bei einem separaten Votum des EZB-Rats. Die EZB hat signalisiert, dass sie bis 2029 für eine mögliche Ausgabe bereit sein könnte.
Der strategische Rahmen ist monetäre Autonomie. EZB-Vertreter haben den Aufstieg privater, dollarbesicherter Stablecoins wie USDT von Tether und USDC von Circle Internet öffentlich als Bedrohung für die geldpolitische Souveränität Europas eingeordnet und argumentiert, ein digitaler Euro sei das strukturelle Gegengewicht. Damit steht das Projekt in direkter Spannung zur US-Politik, wo im vergangenen Monat ein Bundesgesetz in Kraft trat, das der Fed die Ausgabe eines digitalen Dollar bis zum 31. Dezember 2030 untersagt.
Marktauswirkungen
Für Stablecoin-Emittenten in Europa erhöht der Pilot den Wettbewerbsdruck auf der Zeitachse: Eine CBDC mit direkter Zentralbankdeckung rückt nun näher an die operative Realität heran, und die Institute, die sie am ehesten vertreiben dürften, sind dieselben, die heute Stablecoins vertreiben. Datenschutzbedenken, besonders bei Transaktionsüberwachung und Zugangskontrollen, bleiben ein politischer Gegenwind und dürften ein Ziel weiterer gesetzgeberischer Verhandlungen sein.
Häufig gestellte Fragen
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Welche Unternehmen sind im Digital-Euro-Pilot der EZB?
Die EZB hat 36 Banken und Zahlungsunternehmen aus 50 Bewerbern ausgewählt, darunter Deutsche Bank, Revolut, Adyen, SumUp, UniCredit und Worldline. Der Pilot umfasst 19 nationale Zentralbanken des Euroraums sowie EZB-Mitarbeitende, die als Verbraucher auftreten.
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Wann startet der Digital-Euro-Pilot und wie lange läuft er?
Der 12-monatige Pilot soll in der zweiten Jahreshälfte 2027 starten. Getestet wird eine Betaversion des digitalen Euro für Online- und Offline-Peer-to-Peer-Transfers, Zahlungen im Geschäft und E-Commerce-Käufe.
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Wie sieht der Zeitplan für eine echte Ausgabe des digitalen Euro aus?
Die EZB hat erklärt, sie könnte bis 2029 für eine mögliche Ausgabe bereit sein, dafür müssen jedoch die EU-Gesetzgebung verabschiedet und ein separater Beschluss des EZB-Rats gefasst werden. Keiner der beiden Meilensteine ist abgeschlossen.
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Warum treibt die EZB den digitalen Euro jetzt voran?
EZB-Vertreter haben den Aufstieg privater, dollarbesicherter Stablecoins wie USDT von Tether und USDC von Circle als Bedrohung für Europas monetäre Autonomie dargestellt. Der digitale Euro wird als strukturelles Gegengewicht positioniert.
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Wie unterscheidet sich das von der US-CBDC-Politik?
In den USA trat im vergangenen Monat ein Bundesgesetz in Kraft, das der Federal Reserve die Ausgabe eines digitalen Dollar bis zum 31. Dezember 2030 untersagt. Europa bewegt sich in die Gegenrichtung, wobei die EZB schon vor Abschluss des EU-Rechtsrahmens einen Pilot vorantreibt.